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MZ 19.10.2011 Münster-Tafel in Not

Münster-Tafel in Not

 

MÜNSTER Die Suche nach Helfern gestaltet sich immer schwieriger und damit auch die Versorgung der Bedürftigen.
13.000 Menschen werden von der Münster-Tafel unterstützt, doch die Frage ist: Wie lange noch? Von Christoph Ueberfeld
 

Denn die Nachfrage wird immer größer, die Zahl der Helfer dagegen immer kleiner. Aber nicht nur das. Auch die Spendenbereitschaft ist zurückgegangen. Deutlich gestiegene Kraftstoffpreise machen die Arbeit der Helfer der Tafel auch nicht leichter. „Die Änderung der Arge bei den 1,50-Euro-Helfern hat sich für uns sehr negativ bemerkbar gemacht. Das Helfen wird schwieriger. Durch noch mehr Einsatz unserer ehrenamtlichen Helfer können wir im Augenblick nur einen Teil auffangen“, sagt Roland Goetz, Vorsitzender der Münster-Tafel.

Altersarmut wird Problem

Wo Goetz und seine Helfer vor 13 Jahren ungefähr 1000 Menschen Hilfsgüter zuteilten, waren es fünf Jahren später schon fast 6000. Hartz IV-Empfänger oder auch ältere Menschen gehören zur Kundschaft der Tafel. Goetz rechnet fest damit, dass die Zahl der Bedürftigen künftig noch höher sein wird. „Die Altersarmut wird in den kommenden Jahren zu einem großen Problem werden“, erklärt Roland Goetz. Denn häufig reiche die Rente schon jetzt nicht mehr zum Leben.

40 bis 60 Tonnen Lebensmittel pro Woche gilt es aktuell zu verteilen – ein immenser logistischer Aufwand, „den wir bald nicht mehr leisten können“, so Goetz. Sechs mal pro Woche rücken seine Fahrer aus, um die Güter einzusammeln und zu verteilen. Noch. Denn wie lange Goetz und seine Helfer das weiter leisten können, das kann der Tafel-Vorsitzende derzeit selbst nicht sagen: „Wir können nur hoffen, dass wir wieder mehr Ehrenamtliche finden.“ Wenn nicht? „Dann werden wir das Angebot wohl so nicht aufrecht erhalten können“, mutmaßt Goetz. Und das heißt, dass den aktuell 13 000 Menschen nicht mehr oder zumindest nicht in dem Umfang geholfen werden kann.

"Niemand ist auf sich allein gestellt"

Die Stadt Münster wird jedenfalls nicht als Tafel-Ersatz einspringen. „Die Hartz IV-Leistungen sind so berechnet, dass es zum leben reicht. Dazu kommen ja auch noch Zuschüsse zur Miete und den Heizkosten“, erläutert Frank Treutler vom Sozialamt der Stadt Münster. Niemand sei auf sich alleine gestellt, so Treutler weiter. „Wir können den Menschen allerdings nicht vorschreiben, dass sie ihr Geld ausschließlich für die Grundversorgung auszugeben haben.“

Auch für die älteren Menschen, deren Rente nicht mehr zum leben reicht, gibt es zusätzliche Leistungen. „Das reicht eben nicht“, widerspricht Goetz. Aber die Politik dürfe ja auch nichts anderes sagen oder helfen. Ansonsten würde sie zugeben, dass Hartz IV zum Leben doch nicht ausreiche.
Natürlich beobachte man auch beim Sozialamt der Stadt, dass die Zahl der bedürftigen älteren Menschen steigt. „Ein Trend ist das noch nicht, aber es könnte ein Problem werden“, so Treutler. Auch für die Münster-Tafel.

 

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